Warum Jugendsprache Identität stiftet, welche Rolle Dialekte dabei noch spielen und weshalb das bayerische „Servus“ längst nicht aus der Mode ist, zeigt ein Blick auf die faszinierende Entwicklung unserer Sprache.
Von Jonathan Kern
„(Jugendwörter) sind mehr als nur lustig: Sie sind Sprachkultur. Und ein bisschen Rebellion.“ Dieser Satz ist auf der Website von Langenscheidt für das Jugendwort des Jahres zu lesen, und er beschreibt ziemlich perfekt das Phänomen der Jugendsprache. Denn auch wenn für viele Leute Ausdrücke wie „sybau“, „goonen“ oder „lowkey“ auf den ersten Blick recht sinnbefreit wirken, spielen Jugendwörter wie diese für Teenager eine wichtige Rolle in ihrer Entwicklung, und selbst Dialekte scheinen immer noch Einfluss auf die Ausdrucksweise junger Leute zu haben.
Die Funktionen von Jugendsprache sind in der Tat sehr vielfältig. Im Vordergrund steht jedoch vor allem die Möglichkeit, sich durch eine eigene Ausdrucksweise von der Elterngeneration abzugrenzen. Zudem kann eine eigene Sprache gruppenbildend wirken, da man durch die Verwendung bestimmter Begriffe gegenüber Gleichaltrigen Glaubwürdigkeit vermitteln kann. Darüber hinaus eröffnet Jugendsprache die Möglichkeit, sich mithilfe von Abkürzungen möglichst sprachökonomisch auszudrücken, also sich vereinfacht und möglichst ohne Aufwand zu artikulieren.
Diese charakteristischen Aspekte des Slangs, den Jugendliche benutzen, wurden auch von Professor Dr. Nina Janich beschrieben, einer Expertin für deutsche Linguistik, die sich unter anderem ausführlich mit Jugendsprache beschäftigt. Im Zwingenberger Podcast sagte sie zu diesem Thema: „Es gibt nicht die Jugendsprache, sondern es gibt (…) jugendsprachliche Sprechstile, die sehr dynamisch sind.“ Diese seien häufig regional und dialektal beeinflusst und bedienten sich oftmals Anglizismen, was man beispielsweise an den drei zu Beginn genannten Begriffen „sybau“, „goonen“ und „lowkey“ sehen könne. Generell ändert sich Jugendsprache konstant, denn laut Janich verlören bestimmte Begriffe ihre Bedeutung für die Sprache der jungen Leute, sobald sie von der Elterngeneration aufgegriffen oder benutzt würden. In unserer Welt, die sowieso immer schnelllebiger wird, verringert sich also auch die Lebensdauer von Jugendwörtern, mal abgesehen vom zeitlosen „digga(h)“.
Ein weiterer wichtiger Teil von Sprache sind zudem Dialekte. Sie dienen generell der Schaffung einer regionalen Identität, sozialen Zugehörigkeit sowie der Erhaltung von sprachlicher Vielfalt. Interessant ist hierbei der Einfluss von Mundart auf Jugendsprache und umgekehrt. Laut dem Sprachwissenschaftler Horst Simon würden viele Jugendliche heutzutage eher unbewusst Mundart sprechen. Das „Servus“ als Begrüßung beispielsweise würden die meisten Jugendlichen in Bayern wohl eher nicht als aktive Nutzung von Dialekt wahrnehmen, da es bei vielen von ihnen tief im Sprachgebrauch verankert ist. Während viele junge Leute heutzutage von sich selber behaupten, keinen Dialekt zu sprechen, meint der Experte, dass viele Jugendliche mit einer „sehr stark regional geprägten Sprache“ aufwachsen und „regional differenziert“ reden würden. Simon sieht das Image des Dialekts als Hauptgrund für seine angebliche Unpopularität unter Jugendlichen. Er ist der Meinung, dass es zwar uncool wirken kann, Mundart zu sprechen, es die meisten jungen Menschen unterbewusst jedoch trotzdem tun würden. Es besteht also kaum Gefahr, dass die stark verwurzelten Dialekte in Zukunft aussterben könnten. Allerdings gibt es durchaus eine Veränderung zu beobachten.
So konnten Forscher feststellen, dass es zunehmend Vermischungen zwischen den verschiedenen bayerischen Dialekten gebe und dass vor allem kleinräumig verbreitete Begriffe Schritt für Schritt aus dem Sprachgebrauch verschwänden. Die bayerische Mundart im Allgemeinen würde sich jedoch weiterentwickeln. Die Rolle, die Jugendsprache für Jugendliche, nicht nur in Bayern und der Oberpfalz, spielt, ist unbestreitbar. Diese bestimmte Ausdrucksweise ist ein wichtiger Schritt im Reifeprozess von Jugendlichen, und sie kann oftmals dazu dienen, eine Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen zu finden. Auch Dialekt ist für viele junge Leute, vor allem in ländlichen Regionen, nach wie vor ein wichtiger Teil ihres Sprachgebrauchs und wird es wahrscheinlich auch weiterhin bleiben.
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars in Zusammenarbeit mit Oberpfalz Medien. Autor ist Jonathan Kern, Schüler des Gregor-Mendel-Gymnasiums Amberg.