Ermittlern ist ein Schlag gegen ein riesiges Pädophilen-Netzwerk mit weltweit fast zwei Millionen Nutzern gelungen: Es geht um Zehntausende Videos mit sexuellem Missbrauch von Kindern. Auch in der Oberpfalz gibt es einen Verdächtigen.
Eine internationale Gruppe von Ermittlern unter der Leitung des Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA) hat in den vergangenen zwei Wochen ein riesiges Pädophilen-Netzwerk ausgehoben. Wie das BLKA am Mittwoch berichtet, gab es in diesem Zusammenhang auch eine Durchsuchung bei einem Verdächtigen aus der Oberpfalz: aus dem Landkreis Neumarkt. Was ihm genau vorgeworfen wird, wurde nicht mitgeteilt. Insgesamt hatten zwölf Verdächtige ihren Wohnsitz in Bayern, wie die Ermittler weiter erklärten. Unter anderem auch in Mittelfranken.
Laut BLKA gab es dort einen besonderen Fall: Nachdem bekannt geworden war, dass sich ein 30-jähriger Mann Material auf der nun vom Netz genommenen Darknet-Plattform „Kidflix” angesehen haben soll, sei auch sein familiäres Umfeld überprüft worden. Im gemeinsamen Haushalt lebten laut Ermittlern zwei minderjährige Kinder. Sie befinden sich nun in der Obhut des zuständigen Jugendamtes. Wie die Ermittlungen in diesem Fall ergaben, konnte ein mutmaßlicher Missbrauchstäter in den USA verhaftet werden. Dieser Mann soll ein Wiederholungstäter sein.
Laut den Ermittlern war „Kidflix” eine der größten Pädophilen-Plattformen weltweit. Laut Europol soll es sich um den bisher größten Einsatz gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern in Europa handeln.
Anders als andere bereits bekannte derartige Plattformen legte „Kidflix” – über den Download von Bildern hinaus – den Fokus auf das Streamen von Videodateien, die teilweise den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, wie das BLKA mitteilt. „Nach Registrierung und Bezahlung eines Zugangs mit Kryptowährungen standen den internationalen Nutzern mehr als 91.000 Videos in hoher Bildqualität mit einer Gesamtlaufzeit von 6288 Stunden zur Verfügung”, heißt es in der Pressemeldung weiter. Im Schnitt seien rund 3,5 Videos pro Stunde neu auf die Plattform geladen worden.
Die Server der Plattform war den Angaben der Ermittler zufolge Anfang März von deutschen und niederländischen Behörden geschlossen worden. Weltweit seien etwa 1400 Verdächtige identifiziert worden. 79 Menschen wurden festgenommen – sie stünden den Ermittlern zufolge nicht nur unter dem Verdacht, Videos von sexuellem Missbrauch von Kindern angeschaut oder heruntergeladen zu haben. Einige von ihnen würden auch des aktiven Missbrauchs verdächtigt.
Die Ermittlungen hatten 2022 begonnen. Vom 10. bis 23. März griffen die Ermittler zu, den Angaben zufolge waren Tausende elektronische Geräte beschlagnahmt worden.
Die Ermittlungen richteten sich laut BLKA gegen die Betreiber sowie etwa 190.000 Nutzer der Plattform, die zwischen April 2022 und März 2025 registriert waren. Insgesamt waren in diesem Zeitraum etwa 1,8 Millionen Nutzer weltweit, zumindest zeitweise, angemeldet. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand vor allem die „akribische Nachverfolgung der Bezahlwege über Kryptowährungen”.
In Deutschland gab es in 13 Bundesländern – Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen – 96 Durchsuchungen. Ermittelt wird hierzulande gegen 103 Verdächtige. Insgesamt wurden in mehr als 30 Ländern Wohnungen durchsucht. (Mit Material der dpa)