Zwischen Verletzungspech und Personalengpässen kämpfte der ERSC Amberg ums Überleben in der Bayernliga. Eine Chronik des Chaos – mit einem Hoffnungsschimmer zum Schluss.
Bereits im vergangenen Jahr dachte man beim ERSC Amberg, schlimmer könne es kaum kommen. Doch die Jubiläumssaison zum 75. Vereinsbestehen setzte dem Ganzen noch einmal die Krone auf – obwohl die Verantwortlichen zu Beginn durchaus optimistisch in die Spielzeit gestartet waren, entpuppte sich diese als durchaus schwierig. Die Horror-Saison der Wild Lions bis hin zu den Play-downs im Überblick: eine Chronologie der Ereignisse.
Bereits während der vergangenen Saison war klar: Interimstrainer Bernhard Keil wird den Posten nicht übernehmen. Der Sportliche Leiter der Wild Lions verpflichtete Jan Bönning vom Regionalligisten TuS Harsefeld. Kurios: Bönning kannte die Liga größtenteils von Sprade TV und die Vilsstadt selbst so gar nicht. Die Planung des Blindflugs leitete er im Thailandurlaub ein, wo er im engen Austausch mit Spanger stand, um die Kaderplanung voranzutreiben. Die taktische Ausrichtung sollte sich laut Bönning am Spielermaterial orientieren: „Wir haben nun mal nicht die Möglichkeit, mit 20 Vollprofis zu spielen”, erklärte er und ergänzte: „Deswegen will ich mich da auf kein System oder auf eine Spielweise festlegen.”
Tim und Tom Berlin, David Kubik sowie Nolan Gardiner waren nur wenige Neuverpflichtungen des ERSC Amberg. Mit Bernhard Keil hingegen verabschiedete sich ein langjähriger Begleiter des Vereins Richtung Essen, knapp einen Monat später trennten sich auch die Wege von Richard Stütz und dem ERSC Amberg. Gute Nachrichten gab's dann allerdings noch Ende August: Ex-Spieler Kevin Lavallee sollte Bönning als Co-Trainer zu Seite stehen.
„All unsere Pläne sind aufgegangen, jetzt liegt es am Trainerteam, daraus eine Mannschaft zu formen”, sagte Chris Spanger zum Start der Vorbereitung. Zu Beginn regnete es Tore auf beiden Seiten. (4:6 gegen Passau, 8:6 gegen Pegnitz, 7:0 gegen Regionalligisten FASS Berlin) – gegen die Mighty Dogs aus Schweinfurt setzte es ein 0:6. Insgesamt dürfte man den Testspielen das Prädikat „durchwachsen” geben.
In der ersten Oktoberwoche hieß es dann: „Startschuss in der Eishockey-Bayernliga: ERSC Amberg will in die Play-offs – egal wie”. Gleich zu Beginn der Saison musste Trainer Bönning auf die Stürmer Robert Baranovskis (verletzt) und Daniel Rolsing (gesperrt) verzichten. Die Auftaktpartie gegen Schweinfurt ging mit 3:5 verloren, und auch gegen Peißenberg setzte es mit 3:6 eine Niederlage.
Erst im dritten Spiel gelang den Lions der erste Sieg – ein 6:3-Erfolg gegen Schongau. „Wir hätten gerne mehr Punkte geholt. Wir haben uns sehr viel vorgenommen, sehen natürlich auch selber, dass es nicht so gut funktioniert. Wir werden jetzt die Spielweise ein bisschen mehr an unsere Mannschaft anpassen, versuchen mehr Struktur in unser Spiel zu bekommen, gerade in den Special Teams in den nächsten Wochen Fortschritte zu machen”, reflektierte der Trainer. Böning wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wie sich die Saison noch entwickeln würde ...
Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu: Der ERSC verlor nicht nur mit 4:9 in Ulm, sondern auch Verteidiger und Leistungsträger Felix Feder. Gegen Burgau lief es dann zwar besser (8:4), aber auch hier verletzten sich mit Daniel Rolsing, Lukas Klughardt und Michael Kirchberger wichtige Akteure. „Ich dachte eigentlich, dass es nicht schlimmer kommen kann als letzte Saison, aber dieses Jahr toppt nochmal alles”, erklärte Spanger zum damaligen Zeitpunkt. Anfang November trat der Worst Case ein: Das Spiel in Dingolfing musste aufgrund von Personalproblemen abgesagt werden.
Benjamin Frank kehrte aus dem „Ruhestand” zurück und erzielte beim 4:3-Sieg gegen Buchloe den entscheidenden Treffer. Jan Bönning hingegen musste noch im November die Segel streichen: „Nach gründlicher Analyse der bisherigen Saison ist man am Montag zu dem Entschluss gekommen, dass trotz der Verletztenmisere ein neuer Impuls gesetzt werden muss. Deshalb wurde in beiderseitigem Einvernehmen die Zusammenarbeit mit Jan Bönning beendet”, hieß es. Co-Trainer Kevin Lavallee übernahm gemeinsam mit Ex-Coach Dirk Salinger.
Doch auch dieser Stuhl wackelte schnell. Unter Lavallees Leitung setzte es vermeintliche Rekordniederlagen (2:12) gegen Dingolfing sowie ein 2:15 in Peißenberg. Für die Schießbude der Liga setzte es weitere Niederlagen und Kevin Lavallee und Dirk Salinger zogen die Reißleine. Es folgte Christian Zessack. Der Niederbayer sorgte für frischen Wind und holte mit dem Team noch den ein oder anderen Sieg. Im Fokus stand für ihn besonders der Klassenerhalt. Ziel sei es die Spieler optimal auf den Abstiegskampf vorzubereiten und auch im Kader erfolgten noch einmal Veränderungen. Mit einem Sieg gegen Kempten verabschiedeten sich die Wild Lions in eine zweiwöchige Pause. Laut Zessack will man die Saison am 22. Februar und den Klassenerhalt möglichst schnell sichern.