Mit selbstgeschriebenen Songs zur Milliardärin: Taylor Swift ist längst eine globale Marke geworden. Ein ARD-Dreiteiler zeigt, wie sie um künstlerische Freiheit, Deutungshoheit - und Macht - kämpft.
Irgendwann in diesem Sommer, vielleicht schon in ein paar Tagen, wird Superstar Taylor Swift heiraten - und die Welt fiebert mit. Doch warum interessiert uns das Leben der US-Sängerin eigentlich so sehr, was hebt sie von anderen Popstars ab? Diese Fragen werden momentan wieder häufiger beleuchtet; aktuell auch in einer dreiteiligen Dokumentation der ARD.
Unter dem Titel „The Taylor Swift Years - Schicksalsjahre eines Superstars“ haben Inga Turczyn und Anna Bilger Archivmaterial und Interview-Ausschnitte von Swift zusammengetragen. Zu Wort kommen außerdem zahlreiche Expertinnen und Experten. Die Filme sind in der ARD-Mediathek zu finden (Start 1. Juli), im linearen Fernsehen wird die erste Folge am selben Datum im Ersten ausgestrahlt (23.50 Uhr, abhängig von der Fußball-WM).
Die Doku ist Teil der Reihe „Schicksalsjahre“, in der bisher hauptsächlich Biografien von Monarchen und Politikern liefen. Zu Beginn geht es um Swifts erste Schritte in der Country-Hauptstadt Nashville. Dass sie als Country-Sängerin startete, habe sie damals ein Stück weit vor der harten Boulevardpresse der 2000er bewahrt, sagt die Autorin und Swift-Biografin Annie Zaleski. „Sie war diese ganz normale, fröhliche Teenagerin mit lockigem Haar.“
Doch während sich die junge Sängerin mit viel Ehrgeiz immer weiter in die Glitzerwelt des Pop vorwagt, kommen auch die Rückschläge. Viel Zeit widmet die Doku der Frage, wie Swift ihr öffentliches Bild kuratiert und immer wieder neu erfindet - auch und insbesondere nach Krisen.
Drei zentrale Männerfiguren treten dabei als Gegenspieler auf: Erstens Rapper Kanye West, der Swift 2009 bei einer Preisverleihung niedermacht und sie Jahre später mit einer öffentlichen Fehde vorübergehend ganz aus der Öffentlichkeit verdrängt. Zweitens der Label-Chef Scott Borchetta, bei dem Swift ihre ersten sechs Alben aufnahm und der sein Label „Big Machine“ mitsamt der Rechte an ihrem Musikkatalog 2019 verkaufte.
Und drittens Unternehmer Scooter Braun, früherer Manager von Kanye West, der die Rechte an diesen Master-Aufnahmen damals erwarb und nicht an Swift weiterverkaufen wollte. „Swifties“ wissen, wie das ausging: Die Sängerin nahm vier ihrer frühen Alben kurzerhand als „Taylor's Version“ neu auf und kaufte 2025 auch noch ihre originalen Masteraufnahmen zurück.
Die Meilensteine im öffentlichen Leben der US-Amerikanerin sind schon oft erzählt worden. Erst Anfang des Monats zeigte etwa das ZDF die Doku „Becoming Taylor Swift“, eine Produktion des Regisseurs Guy King für den britischen Sender Channel 4. Einige Archivaufnahmen und auch manche der Gesprächspartner finden sich nun bei der ARD wieder.
„The Taylor Swift Years“ untermalt die Geschichte an vielen Stellen liebevoll mit Liedzeilen der Sängerin, kann ihr ansonsten aber wenig Neues abgewinnen. So ist die Doku - auch durch das schnelle Aneinanderreihen der vielen Gesprächspartner - in den ersten beiden Dritteln eher grundlegender Überblick als tiefe Analyse.
Neuere Facetten bringt die dritte Folge „End of an era?“ über die große „Eras Tour“ 2023 und 2024 sowie die Zeit danach. Der Film behandelt die riesige Euphorie, aber auch die hässlichen Episoden am Rande: den Messerangriff auf einen Taylor-Swift-Tanzkurs für Kinder in Großbritannien und den vereitelten Anschlag auf die Wiener Konzerte der Sängerin.
Auch die USA und Donald Trumps Wiederwahl Ende 2024 werden thematisiert. Swift, die sich ab 2018 immer wieder auch politisch geäußert hatte, sprach sich öffentlich für die Demokratin Kamala Harris aus. Dann gewann Trump - und Swift zog sich ins Private zurück.
Wenn die 36-Jährige in jüngerer Zeit öffentlich auftritt, dann geht es stets um ihre Musik oder das Glück mit ihrem Verlobten Travis Kelce. Wie steht Swift als vielleicht größter Star der USA heute zu ihrem Heimatland? Warum sagt sie nichts zu einem Kulturkampf, der auch ihre jungen, weiblichen, teils queeren Fans betrifft?
Hat die Milliardärin Swift nun die Bodenhaftung und den Bezug zu ihren „Swifties“ verloren? Oder ging es ihr immer schon mehr um Zeitgeist als um Wandel? „Gerade heute, in einer Phase, in der viele die US-Politik als zunehmend autoritär beschreiben, nehme ich wahr, dass sich auch innerhalb ihrer Fan-Community Fragen häufen“, sagt Regisseurin Turczyn der ARD.
Klare Antworten gibt es auf diese Fragen nicht - gerne hätte man die Sängerin selbst dazu gehört. Dass die Doku solche Fragen stellt, fügt der Swift-Geschichte aber ein wichtiges, aktuelles Kapitel hinzu.
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