Was ist aus dem Hype um E-Sport geworden? | Amberg24

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
vor 3 Stunden
Seit 2014 gibt es das IEM Cologne. (Archiv) (Bild: Henning Kaiser/dpa)
Seit 2014 gibt es das IEM Cologne. (Archiv) (Bild: Henning Kaiser/dpa)
Seit 2014 gibt es das IEM Cologne. (Archiv) (Bild: Henning Kaiser/dpa)
cancel
info
Seit 2014 gibt es das IEM Cologne. (Archiv) (Bild: Henning Kaiser/dpa)

Was ist aus dem Hype um E-Sport geworden?

Zigtausende Gamer und Fans sind in dieser Woche in Köln. Dabei scheint E-Sport in der breiten Öffentlichkeit - anders als noch vor ein paar Jahren - kaum wahrgenommen zu werden. Eine Bestandsaufnahme.

Natürlich ist die Kölner Lanxess Arena mal wieder ausverkauft. Wenn sich am Wochenende auf der „IEM Cologne“ die besten Computerspieler der Welt treffen, um in der großen Halle am Rhein „Counter-Strike“ zu spielen, dann wollen sich das zigtausende Fans nicht entgehen lassen. 1,25 Millionen Euro an Preisgeld wird ausgeschüttet. Die Community fiebert dem Event - seit zwölf Jahren in der Domstadt beheimatet - als großem Highlight entgegen. 

Dabei scheint der E-Sport in der breiten Öffentlichkeit weniger sichtbar als noch vor einigen Jahren. Damals, gerade auch in der Corona-Zeit, gab es in Deutschland einen regelrechten Hype um E-Sport. Und heute?

Experte: „Kein Nischenthema mehr“

„E-Sport ist jetzt kein Nischen- oder Trendthema mehr“, meint Christopher Grieben von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Dass der Hype kleiner geworden oder gar verschwunden ist, glaubt der Wissenschaftler aber nicht. „Die klassischen Medien haben ein Stück weit in der Pandemie viel berichtet und jetzt eher weniger. Die Branche ist keineswegs irgendwie verschwunden, ganz im Gegenteil, der deutsche Games-Markt wächst“, sagt der seit mehr als zehn Jahren zum E-Sport in Kombination mit Gesundheit forschende Grieben. Im internationalen Vergleich sei der deutsche Markt ein hochrelevanter. 

Und auch der Fan-Support wachse. Vincent Kranz, der den Ego-Shooter „Valorant“ spielt, berichtet von organisierten Fanszenen, die Teams bei Turnieren vor Ort unterstützten. „Auch hier gibt es ein deutliches Wachstum zu erkennen“, sagt der seit fünf Jahren aktive E-Sportler.

Gemeinnützigkeit als Ritterschlag

In einer Erhebung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft zwischen 2023 und 2025 gaben zwei Prozent der 86.378 befragten Sportvereine hierzulande an, dass sie sich im E-Sport engagieren. Das wären rein rechnerisch mehr als 1700 Vereine. Doch nur ein Bruchteil davon ist Mitglied im E-Sport-Bund Deutschland. „Der größte Knackpunkt war, dass traditionelle Sportvereine Gefahr liefen, ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren, wenn sie E-Sport-Angebote mit rein nehmen“, schildert Chris Flato, Präsident des ESBD. „Daher hat man dieses Engagement bislang eher unter dem Radar laufen lassen.“

Das ändert sich, seit Januar werden E-Sport-Vereine als gemeinnützig anerkannt. „Darauf hat die Branche über zehn Jahre hingearbeitet, das ist sozusagen der Ritterschlag“, sagt Forscher Grieben. Für Profispieler wie Vincent Kranz ändere sich zwar wenig. Die Auswirkungen träfen vor allem „die Playerbase“, also den Unterbau, wie Kranz sagt. Die Gemeinnützigkeit könne helfen, schneller bessere Strukturen für Nachwuchsspieler aufzubauen.

41,5 Millionen spielen Videospiel: DOSB nimmt E-Sport in Fokus

In Deutschland spielen 41,5 Millionen Menschen Videospiele auf Smartphones, Konsolen, dem PC oder dem Tablet. Das geht aus aktuellen Zahlen des Computerspiele-Verbands Game hervor. „Das sind noch lange keine E-Sportler, das ist auch wichtig zu differenzieren“, betont Grieben.

Der Deutsche Olympische Sportbund gründete im Mai eine E-Sport-gGmbH. „Wir erleben Gemeinschaft und Zusammenhalt auch im Bereich des E-Sports“, sagte Leon Ries, Jugendvorstand des DOSB. „Es ist eine Bewegung von jungen Menschen und das wollen wir unterstützen.“

E-Sport-Weltmeisterschaften diesmal nicht in Saudi-Arabien

Im Sommer blickt die Szene vor allem nach Paris, wo von 6. Juli bis 23. August die E-Sport-WM mit mehr als 20 unterschiedlichen Spielen stattfindet, darunter „League of Legends“ und „Counter-Strike“. Auch der Fußball-Simulator „EAFC“, der in Deutschland in der Virtual Bundesliga (VBL) unter anderem von Teams wie Bayern München oder Borussia Dortmund gespielt wird, ist dabei.

Der großteils vom saudischen Staatsfonds finanzierte World Cup musste wegen des Iran-Krieges von Riad nach Paris umziehen. 75 Millionen Dollar an Preisgeld sind bei dem Mega-Spektakel ausgelobt. Zum Vergleich: Bei den French Open im Tennis gab es zuletzt ein Gesamtpreisgeld von 61,7 Millionen Euro.

© dpa-infocom, dpa:260618-930-241834/1

 
north