Söder will Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen rasch umsetzen | Amberg24

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Markus Söder will die Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen. (Bild: Pia Bayer/dpa)
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Markus Söder will die Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen. (Bild: Pia Bayer/dpa)

Söder will Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen rasch umsetzen

Drei Hymnen sollen bei Schulabschlüssen verpflichtend gespielt werden, forderte die CSU im Dezember. Nun bezieht der Ministerpräsident Position. Seine Kultusministerin geht nicht in allen Punkten mit.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die von seiner Partei vorgeschlagene Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen rasch umsetzen. Möglichst schon zum Schuljahresende sollten die Hymnen gespielt oder gesungen werden. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) unterstützt das Vorhaben, die Hymnen in den Schulen präsenter zu machen. „Letztendlich ist es aber nicht entscheidend, dass die Hymnen zu bestimmten Anlässen immer verpflichtend gesungen werden, sondern dass die jungen Leute die Werte, um die es geht, verstehen und verinnerlichen“, betonte sie auf Anfrage.

Söder: Hymnen müssen nicht neu gedichtet werden

Die CSU hatte auf ihrem Parteitag im Dezember einstimmig für eine Forderung der Jungen Union votiert, wonach bei gesellschaftlichen Anlässen wie der Verleihung von Schul- und Berufsabschlüssen in Deutschland verpflichtend die Nationalhymne, die Europahymne und in Bayern auch die Bayernhymne gespielt werden sollen. „Das ist ja nun wirklich kein echter, großer Akt“, sagte Söder nun. „Die Hymnen müssen nicht neu gedichtet werden, fast jeder hat sie schon einmal gesungen.“ 

Und was bei Fußballspielen kein Problem sei, könne in der Schule ja nicht falsch sein, argumentierte der Ministerpräsident. Das sei ein kleines Signal zum Teambuilding in einem Land. Es sei ihm lieber, die Hymnen zu singen, als viele Stunden darüber zu diskutieren. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek stellte eine rasche und unbürokratische Umsetzung in Aussicht. Dies sei ohne Gesetzesänderung über ein Schreiben des Kultusministeriums möglich.

Stolz: „Gänsehautmoment“ bei Zeugnisverleihungen

Auch Kultusministerin Stolz verwies auf den „Gänsehautmoment“ beim Abspielen der Hymne bei Länderspielen oder Zeugnisverleihungen. „Gerade für unsere jungen Leute ist es wichtig, dass sie sich mit den Werten unserer Gesellschaft verbunden fühlen und Zusammenhalt erleben.“ Deshalb sollten die Hymnen auch bei Abschlusszeugnisveranstaltungen gespielt und gemeinsam gesungen werden. 

Denkbar sei es auch, die Hymnen in der Verfassungsviertelstunde zu thematisieren oder einen Wettbewerb zur besten musikalischen Darbietung auszurichten. Trotz Söders Wunsch nach einer raschen Umsetzung beharrte Stolz aber auf ihrer Position, mit den Beteiligten in einen Dialog zu treten. „Die Umsetzung möchte ich gerne mit der Schulfamilie diskutieren, um die besten Ideen zu finden.“ Letztendlich gehe es um die Werte, die dahinterstünden.

Lehrerverbände skeptisch

Ähnlich sieht es der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV). „Alles ist gut, was zur politischen Bildung, zur Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit ihrem Heimatland, mit Bayern, Deutschland und Europa beiträgt“, betonte Präsidentin Simone Fleischmann. Jeder Anlass, bei dem die Lehrkräfte grundlegende Werte wie Einigkeit, Recht und Freiheit aufgreifen könnten, sei positiv. Doch man müsse nicht immer alles gleich gesetzlich regeln und verpflichtend machen. Der eigentliche Bildungsauftrag stecke dahinter, sagte Fleischmann: „Was singen wir - und leben wir das, was wir singen?“

Noch deutlicher reagierte der Bayerische Realschullehrerverband. Der Grundgedanke sei zwar richtig. Allerdings stelle sich die Frage, ob eine verpflichtende Hymnenregelung der richtige und einzige Weg sei. „Besonders kritisch sehen wir, dass dieses Vorhaben nun so kurzfristig und ohne ausreichende Abstimmung umgesetzt werden soll“, betonte ein Sprecher. Die Ausgestaltung und Wirkung gemeinschaftsstiftender Rituale müsse sorgfältig bedacht werden, Aktionismus sei fehl am Platz. „Ziel muss es sein, gemeinsam abzuwägen, zu differenzieren und tragfähige, pädagogisch sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Dafür braucht es keine „Deadline”.“

Wie Schulen bisher mit dem Spielen von Hymnen umgehen

Bisher dürfen Schulen in Bayern laut Kultusministerin selbst entscheiden, ob bei festlichen Anlässen wie Zeugnisübergaben die Bayernhymne oder die deutsche Nationalhymne gespielt wird: „Davon wird reichlich Gebrauch gemacht, und das ist auch immer ein besonderer Gänsehautmoment.“

© dpa-infocom, dpa:260113-930-537853/4

 
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