Das Ende einer Ära: Werden die Proberäume in Amberg abgerissen? | Amberg24

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vor 3 Stunden
Die Musiker aus den Probenräumen des 500 in der alten Hutfabrik. (Bild: Wolfgang Steinbacher)
Die Musiker aus den Probenräumen des 500 in der alten Hutfabrik. (Bild: Wolfgang Steinbacher)
Die Musiker aus den Probenräumen des 500 in der alten Hutfabrik. (Bild: Wolfgang Steinbacher)
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Die Musiker aus den Probenräumen des 500 in der alten Hutfabrik. (Bild: Wolfgang Steinbacher)

Das Ende einer Ära: Werden die Proberäume in Amberg abgerissen?

In der alten Hutfabrik proben seit Jahrzehnten Bands. Wer in Amberg Musik macht, kennt die Räume und den Geruch. Doch jetzt schaut es so aus, als würde das Gebäude nächstes Jahr abgerissen. Amberg24 hat mit den Musikern gesprochen.

Falls eure Eltern, großen Geschwister oder Verwandten in einer Band spielen und die mal heimgekommen sind, mit so einem seltsamen Geruch nach Moder und kaltem Rauch, den man sofort riecht, dann könnt ihr euch sicher sein: die waren in den Proberäumen in der alten Hutfabrik oder im alten 500, das im Keller drunter war, aber schon lange geschlossen hat. Die Proberäume in der Kugelbühlstraße sind ein geschichtsträchtiger Ort. Sie verbinden die Amberger Musik- und Subkulturszene seit Jahrzehnten. Auch heute sind da noch Bands aller Altersstufen drin. Legenden wie Bourbon. Die Band ist vermutlich mindestens genauso alt wie eure Eltern. Oder jüngere Leute, wie die Jungs von One Step Further, die erst am Freitag wieder im Vaitl gespielt haben. Alles, was in Amberg irgendwie Rang und Namen hat, hat schon mal in irgendeiner Form in der Hutfabrik geprobt.

Amberg hat keine Proberäume zu bieten

Leider scheint sich die Ära in der Hutfabrik dem Ende zu nähern. Denn so wie es ausschaut, ist was dran an den Gerüchten, dass die Bands ihre Räume verlieren und die Huddie (oder halt Hutfabrik) kommendes Jahr abgerissen wird. Der Hausmeister wurde schon gekündigt. Die Bands haben noch nichts offiziell gehört, können sich aber vorstellen, was das heißt. Amberg24 hat sich mit den Musikern getroffen und sich mit ihnen nicht nur die geschichtsträchtigen Räume angeschaut, sondern auch mit ihnen gesprochen, was das für die Amberger Bandszene heißt.

Tobi Böhm und Yannis Hajek von One Step Further finden es schade, dass alles, was nicht im klassischen Theater oder im Bierzelt aufgeführt wird, aus ihrer Sicht irgendwie keinen von der Stadt Amberg interessiert. Yannis sagt: „Die Stadt legt ja viel Wert auf ihre Kultur. Das Problem ist, wir sind Sub-Kultur. Und dafür gibt es so gut wie keinerlei Möglichkeiten. Wenn du fragst, weil du etwas auf die Beine stellen möchtest, dann kommt die Antwort, dass dafür kein Geld da ist.” Sein Kollege Tobias Böhm ergänzt: „In Sulzbach-Rosenberg zum Beispiel gab es früher mal Newcomer-Contests, die von der Stadt gesponsert wurden. Du konntest da einen Auftritt auf dem Altstadtfest und Preisgeld gewinnen. Aber wenn du solche Anreize schaffst für junge Bands, dann brauchst du auch Proberäume und Leute, die das umsetzen, und die gibt es hier in Amberg und Umgebung nicht. Oder nicht mehr.” One-Step-Further-Drummer Leo Neller ist der Sohn des Sängers der Amberger Punk-Band Special Gue$t, Mich Neller. „Für mich sind die Proberäume hier eine der frühesten Erinnerungen, die ich habe. Ich weiß heute noch, wie ich da schon als kleines Kind mal mit dem Papa drin war. Und die Atmosphäre hat mich geprägt. „

Nicht aufgeben, aber trauern

Wie es für die Bands weitergeht, ist noch nicht wirklich klar. Teilweise ist da der Schock, über das, was sie verlieren. Aufgeben wollen sie aber auch nicht. Einer der Musiker, Armin Schaus, der sowas wie der Bandraum-Papa ist, der sich um alles kümmert, hat schon Gespräche geführt und sucht nach einer Lösung. Klar ist aber auch: Ersetzen lässt sich die Hutfabrik nicht. Außerdem ist es manchmal in Amberg schon schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Für lauten Metal-, Punk-, und Rock dürfte es noch viel schwerer werden.

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